Unternehmensführung

Finanzplanung 2027 für Selbstständige: Budget, Rücklagen und Steuerprognose

Stand: 22.09.2026 · Fachlich geprüft von Klaus Brunner, Bilanzbuchhalter & Unternehmensberater

Das letzte Quartal 2026 beginnt. Für viele Selbstständige heißt das: Aufträge fertig bekommen, Rechnungen schreiben, Projekte abschließen und irgendwie noch alles erledigen, was vor Weihnachten fertig werden soll.

Genau jetzt solltest du dir aber eine andere Frage stellen:

Was muss dein Business 2027 eigentlich erwirtschaften, damit am Ende genug für Finanzamt, SVS, deine Kosten und vor allem für dich übrig bleibt?

Viele Selbstständige planen ihren Umsatz. Manche planen ihre Kosten. Nur wenige bringen Umsatz, Kosten, Steuern, SVS, Rücklagen und den eigenen privaten Bedarf in einen gemeinsamen Plan.

Und genau deshalb kann ein Unternehmen auf dem Papier gut laufen und sich trotzdem jeden Monat finanziell eng anfühlen.

Eine gute Finanzplanung 2027 muss nicht kompliziert sein. Du brauchst keine 20 Tabellenblätter und keinen Controller.

Du solltest am Ende vor allem vier Zahlen kennen: deinen notwendigen Jahresumsatz, deinen monatlichen Mindestumsatz, deinen persönlichen Rücklagen-Prozentsatz und deinen Liquiditätspuffer.

Wie du diese vier Zahlen für 2027 ermittelst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Warum du dein Business nicht nur nach Umsatz planen solltest

100.000 Euro Umsatz klingt gut.

Aber was sagt dir diese Zahl wirklich? Ziemlich wenig.

Wenn davon 50.000 Euro für Mitarbeiter, Miete, Fremdleistungen, Software und andere Betriebsausgaben weggehen, anschließend SVS und Einkommensteuer bezahlt werden müssen und du privat 3.000 Euro im Monat brauchst, sieht die Rechnung plötzlich ganz anders aus.

Deshalb beginnt eine gute Finanzplanung nicht mit der Frage: „Wie viel Umsatz möchte ich nächstes Jahr machen?"

Sondern mit: „Was muss mein Business erwirtschaften, damit es mein Leben und sich selbst finanzieren kann?"

Finanzplanung bedeutet dabei nicht, dass du im September 2026 exakt vorhersagen musst, was im November 2027 passiert.

Du stellst Annahmen auf. Und während des Jahres vergleichst du diese Annahmen regelmäßig mit der Realität.

Dann kannst du reagieren, bevor dein Kontostand das für dich übernimmt.

Was steht für 2027 bereits fest?

Der steuerliche Rahmen für 2027 steht inzwischen weitgehend fest. Das ist ein guter Zeitpunkt, um deine Planung zu beginnen.

Einkommensteuer: Das sind die Steuerstufen 2027

Die Inflationsanpassungsverordnung 2027 wurde am 31. August 2026 kundgemacht (BGBl. II Nr. 260/2026).

Für 2027 gelten folgende Tarifstufen:

Einkommen 2027Steuersatz
bis 13.846 €0 %
über 13.846 € bis 22.491 €20 %
über 22.491 € bis 37.285 €30 %
über 37.285 € bis 71.960 €40 %
über 71.960 € bis 107.236 €48 %
über 107.236 € bis 1.000.000 €50 %
über 1.000.000 €55 %

Die für die automatische Anpassung maßgebliche Inflationsrate beträgt 3,4 Prozent. Zwei Drittel davon, konkret 2,2666 Prozent, fließen automatisch in die Anpassung der gesetzlichen Beträge ein.

Für deine Planung bedeutet das: Die Tarifgrenzen verschieben sich gegenüber 2026 wieder etwas nach oben. Details findest du im Artikel Steuerstufen 2027 & Arbeitsplatzpauschale.

Das Arbeitsplatzpauschale fällt 2027 weg

Eine weitere Änderung betrifft Selbstständige, die bisher das große oder kleine Arbeitsplatzpauschale genutzt haben.

Das Arbeitsplatzpauschale von bis zu 1.200 Euro bzw. 300 Euro entfällt mit dem Budgetbegleitgesetz 2027-2028 (BGBl. I Nr. 62/2026) für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2026 beginnen.

Wenn du das Pauschale bisher genutzt hast, solltest du es deshalb aus deiner Planung 2027 streichen.

Andere Betriebsausgaben im Zusammenhang mit deiner Tätigkeit können natürlich weiterhin abzugsfähig sein, wenn die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Gewinnfreibetrag: Wertpapiere werden vorübergehend eingeschränkt

Auch beim investitionsbedingten Gewinnfreibetrag gibt es ab 2027 eine Änderung.

Für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2026 und vor dem 1. Jänner 2030 beginnen, können Wertpapiere grundsätzlich nicht mehr für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag genutzt werden. Begünstigt bleiben insbesondere entsprechende Realinvestitionen.

Wenn du den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag regelmäßig nutzt, gehört deshalb auch deine Investitionsplanung in dein Budget 2027. Mehr dazu im Artikel Gewinnfreibetrag 2027.

Und was ist mit der SVS 2027?

Die endgültigen Rechengrößen für 2027 stehen derzeit noch nicht vollständig fest.

Die Beitragssätze sind aber bekannt und derzeit stabil:

2026 beträgt der Unfallversicherungsbeitrag 12,95 Euro monatlich.

Wichtig ist allerdings: Du kannst nicht einfach deinen Gewinn mit 26,83 Prozent multiplizieren und behaupten, damit sei deine endgültige SVS erledigt.

Die endgültige Beitragsgrundlage wird nach eigenen sozialversicherungsrechtlichen Regeln ermittelt. Vereinfacht gesagt spielen dabei die versicherungspflichtigen Einkünfte laut Einkommensteuerbescheid und bestimmte vorgeschriebene Sozialversicherungsbeiträge eine Rolle.

Dazu kommt ein zweites Problem: Deine aktuelle SVS-Vorschreibung muss nicht deiner tatsächlichen endgültigen Belastung entsprechen.

Genau deshalb gehören in eine gute Finanzplanung sowohl die laufenden SVS-Zahlungen als auch mögliche spätere Nachbemessungen.

Schritt 1: Was brauchst du privat?

Diesen Schritt lassen erstaunlich viele Unternehmer komplett weg.

Sie planen Miete, Software, Auto, Werbung, SVS und Finanzamt. Und irgendwo ganz am Ende soll dann hoffentlich noch etwas für sie selbst übrig bleiben.

Ich würde genau andersherum anfangen.

Was brauchst du jeden Monat privat, damit du dein Leben finanzieren kannst?

Wohnung oder Haus, Lebensmittel, Versicherungen, Auto, Freizeit, Urlaub, Sparen und alles andere, was zu deinem Leben gehört.

Angenommen, du brauchst privat 3.000 Euro pro Monat. Dann muss dein Unternehmen über das Jahr nicht nur seine betrieblichen Kosten und Abgaben finanzieren, sondern zusätzlich: 36.000 Euro für dich.

Und wenn du nur elf Monate produktiv arbeiten möchtest, weil du auch Urlaub machen willst, wird die Rechnung noch interessanter.

Genau hier beginnt echte Unternehmensplanung. Denn dein Business soll nicht nur Rechnungen bezahlen. Es soll das Leben finanzieren, für das du es gegründet hast.

Schritt 2: Welche Kosten hat dein Business 2027?

Jetzt schauen wir auf das Unternehmen. Teile deine Kosten in drei Gruppen.

Fixkosten

Das sind Kosten, die unabhängig davon entstehen, ob du in diesem Monat 5.000 oder 15.000 Euro Umsatz machst.

Zum Beispiel: Miete, Versicherungen, Software-Abos, Telefon, Internet, Buchhaltung, Leasing, Kammerbeiträge oder laufende Personalkosten.

Geh dafür am besten deine Kontobewegungen 2026 durch. Prüfe bei jeder Position:

Oft liegt hier mehr Potenzial, als Selbstständige vermuten.

Variable Kosten

Diese steigen oder sinken mit deinem Umsatz. Zum Beispiel Material, Fremdleistungen, Provisionen, Versand oder bestimmte Werbekosten.

Bei solchen Positionen kann es sinnvoll sein, mit einem Prozentsatz vom geplanten Umsatz zu rechnen.

Investitionen

Laptop, Maschinen, Fahrzeug, Praxiseinrichtung oder andere größere Anschaffungen solltest du separat planen.

Und zwar nicht einfach mit: „Irgendwann 2027 brauche ich einen neuen Laptop." Sondern: Mai 2027: Laptop, geplant 2.000 Euro.

Denn für deine Liquidität macht der Zeitpunkt einen erheblichen Unterschied.

Schritt 3: Welchen Umsatz muss dein Business tatsächlich machen?

Jetzt wird es interessant.

Du kennst deinen privaten Bedarf. Du kennst deine betrieblichen Kosten. Du kannst deine voraussichtliche Belastung durch SVS und Einkommensteuer abschätzen.

Damit kannst du beginnen, rückwärts zu rechnen.

Nicht: „Ich möchte nächstes Jahr 100.000 Euro Umsatz machen." Sondern: „Wie viel Umsatz brauche ich, damit meine Rechnung funktioniert?"

Angenommen, du kommst nach deiner Planung zum Ergebnis, dass dein Business 90.000 Euro Jahresumsatz benötigt. Dann ist die nächste Frage nicht, ob 90.000 Euro gut oder schlecht klingen. Sondern: Wie erwirtschafte ich diese 90.000 Euro?

Wenn du zehn Monate im Jahr produktiv arbeitest, sind das durchschnittlich 9.000 Euro Umsatz pro Arbeitsmonat.

Hast du 20 abrechenbare Kundentage pro Monat, wären das durchschnittlich 450 Euro Umsatz pro Kundentag.

Plötzlich wird aus einem abstrakten Jahresziel eine konkrete Zahl. Und genau dann kannst du dein Geschäftsmodell prüfen:

Das ist der Punkt, an dem Finanzplanung zur Unternehmensplanung wird. Wie du deinen Preis daraus ableitest, zeigt der Artikel Stundensatz berechnen.

Schritt 4: Wie viel gehört tatsächlich dir?

Ein gut gefülltes Geschäftskonto fühlt sich gut an. Es kann aber täuschen. Denn nicht jeder Euro darauf gehört dir.

Ein Teil kann Umsatzsteuer sein. Ein Teil gehört später der SVS. Ein Teil wird für die Einkommensteuer gebraucht. Ein Teil ist für offene Rechnungen, Investitionen oder laufende Kosten reserviert.

Deshalb solltest du nicht nur deinen Kontostand kennen, sondern deinen frei verfügbaren Kontostand.

Die entscheidende Frage lautet: Wie viel von diesem Geld kann ich tatsächlich ausgeben, ohne dass mir später Finanzamt, SVS oder laufende Verpflichtungen ein Loch reißen?

Genau dafür brauchst du Rücklagen.

Schritt 5: Wie hoch sollte deine Rücklage für Steuer und SVS sein?

Vielleicht kennst du meine 30-Prozent-Regel.

Wenn du bisher überhaupt keine systematische Rücklage bildest, können 30 Prozent ein brauchbarer erster Orientierungspunkt sein.

Aber: 30 Prozent sind keine Naturkonstante. Bei manchen Selbstständigen reichen sie. Bei anderen sind sie deutlich zu wenig.

Wie viel du tatsächlich zurücklegen solltest, hängt unter anderem von deinem Gewinn, deiner SVS-Situation, deinen Einkommensteuer-Vorauszahlungen, möglichen Nachzahlungen aus Vorjahren und weiteren Einkünften ab.

Deshalb sollte dein Ziel nicht sein: „Ich lege immer 30 Prozent weg." Sondern: „Ich kenne meinen persönlichen Rücklagen-Prozentsatz."

Dafür planst du getrennt:

Erst dann weißt du, welcher Teil deiner Zahlungseingänge tatsächlich frei verfügbar ist.

Warum zwei Unternehmer mit gleichem Gewinn unterschiedliche Rücklagen brauchen

Nehmen wir zwei Selbstständige mit jeweils 45.000 Euro Jahresgewinn.

Unternehmer A hat bereits relativ passende Einkommensteuer-Vorauszahlungen geleistet und seine vorläufigen SVS-Beiträge liegen nahe an der späteren endgültigen Belastung.

Unternehmer B zahlt derzeit niedrige Vorauszahlungen und muss zusätzlich mit einer größeren SVS-Nachbemessung rechnen.

Beide haben denselben Gewinn. Aber sie haben nicht dieselbe Liquiditätssituation.

Genau deshalb halte ich wenig davon, jedem Selbstständigen denselben Rücklagen-Prozentsatz zu nennen. Eine Faustregel kann dir den Einstieg erleichtern. Eine vernünftige Finanzplanung zeigt dir deine eigene Zahl.

Schritt 6: Erstelle deine Steuerprognose 2027

Vor einer Steuerprognose haben viele Selbstständige unnötig Respekt.

Für deine Planung brauchst du zunächst keine perfekte Einkommensteuererklärung für 2027. Du brauchst eine realistische Prognose.

Vereinfacht gehst du so vor:

  1. Geplanten steuerlichen Gewinn 2027 ermitteln – ausgehend von deinem geplanten Umsatz und deinen voraussichtlichen Betriebsausgaben.
  2. Voraussichtlich abzugsfähige SVS-Beiträge berücksichtigen – nicht einfach pauschal 27 Prozent vom Gewinn abziehen, sondern möglichst anhand deiner konkreten Vorschreibung und erwarteten Entwicklung planen.
  3. Gewinnfreibetrag berücksichtigen – beim Grundfreibetrag sind 15 Prozent der Bemessungsgrundlage bis maximal 33.000 Euro möglich. Das entspricht einem maximalen Grundfreibetrag von 4.950 Euro. Dafür ist keine Investition notwendig. Bei höheren Gewinnen kann zusätzlich der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag relevant werden.
  4. Einkommensteuer mit dem Tarif 2027 hochrechnen – damit bekommst du eine Größenordnung für deine voraussichtliche Jahressteuer.
  5. Mit deinen Vorauszahlungen vergleichen – was schreibt dir das Finanzamt 2027 bereits vor, und wie hoch ist deine voraussichtliche tatsächliche Steuer? Genau diese Differenz ist für deine Liquiditätsplanung entscheidend.

Einkommensteuer-Vorauszahlungen nicht einfach ignorieren

Wenn dein tatsächlicher Gewinn deutlich niedriger ausfällt als jener, auf dem deine Einkommensteuer-Vorauszahlungen beruhen, kannst du eine Herabsetzung prüfen. Ein entsprechender Antrag ist grundsätzlich bis 30. September des laufenden Jahres möglich.

Läuft dein Unternehmen dagegen deutlich besser, solltest du nicht darauf warten, dass irgendwann ein Steuerbescheid kommt. Dann erhöhst du zumindest deine Steuerrücklage.

Denn die Frage lautet nicht: „Wie hoch ist meine aktuelle Vorauszahlung?" Sondern: „Wie hoch wird meine tatsächliche Steuer voraussichtlich sein?"

Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Schritt 7: Aus dem Jahresbudget wird ein Liquiditätsplan

Bis hierher weißt du, ob dein Geschäftsmodell auf Jahressicht funktionieren kann. Aber damit weißt du noch nicht, ob du im Februar deine Rechnungen bezahlen kannst.

Gewinn und Kontostand sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Deshalb verteilst du deine Planung jetzt auf zwölf Monate.

Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen werden grundsätzlich am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November fällig.

Wenn du diese Zahlungen nicht als Jahresbetrag, sondern im jeweiligen Monat einplanst, erkennst du sofort, wann dein Konto stärker belastet wird.

Ein Unternehmen kann auf Jahressicht hochprofitabel sein und trotzdem im Februar ein Liquiditätsproblem haben. Genau deshalb brauchst du beides: Budget und Liquiditätsplan.

Schritt 8: Wie groß ist dein Sicherheitspolster?

Jetzt fehlt noch eine Zahl: dein Liquiditätspuffer.

Stell dir vor, zwei größere Kunden zahlen verspätet. Oder du fällst vier Wochen aus. Oder ein Projekt verschiebt sich um drei Monate.

Wie lange kannst du deine betrieblichen und privaten Verpflichtungen trotzdem bezahlen?

Ein guter Puffer wird deshalb nicht einfach in Euro betrachtet, sondern in Monaten.

Wenn deine gesamten notwendigen Zahlungen beispielsweise 6.000 Euro monatlich betragen und du 18.000 Euro frei verfügbare Reserve hast, entspricht das einem Puffer von ungefähr drei Monaten.

Ob du zwei, drei oder sechs Monate brauchst, hängt von deinem Geschäftsmodell und deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. Wichtig ist zunächst, dass du die Zahl überhaupt kennst.

Am Ende deiner Finanzplanung brauchst du vier Zahlen

Wenn du nach einem halben Tag Finanzplanung 17 Tabellen und 38 Kennzahlen hast, hast du wahrscheinlich mehr gebaut, als du im Alltag verwenden wirst.

Für die laufende Unternehmensführung interessieren mich vor allem vier Zahlen:

  1. Dein notwendiger Jahresumsatz: Was muss dein Business erwirtschaften, damit Betriebskosten, SVS, Steuern und dein privater Bedarf gedeckt sind?
  2. Dein monatlicher Mindestumsatz: Welche Zahl musst du im Durchschnitt erreichen, damit dein Jahresziel realistisch wird?
  3. Dein persönlicher Rücklagen-Prozentsatz: Wie viel deiner Zahlungseingänge solltest du für Finanzamt, SVS und andere absehbare Verpflichtungen reservieren?
  4. Dein Liquiditätspuffer: Wie lange kannst du deine Verpflichtungen bezahlen, wenn Umsätze ausfallen oder verspätet kommen?

Wenn du diese vier Zahlen kennst, kannst du viele unternehmerische Entscheidungen plötzlich anders treffen: Kann ich jemanden einstellen? Kann ich investieren? Kann ich weniger arbeiten? Muss ich meine Preise erhöhen? Kann ich mir 3.000 Euro im Monat auszahlen? Kann ich im August vier Wochen Urlaub machen?

Dann entscheidest du nicht mehr nur nach Kontostand oder Bauchgefühl.

Praxis-Tipp: Der Finanzplanungs-Termin mit dir selbst

Block dir dafür im Oktober einen halben Tag. Nicht irgendwann – trag den Termin in deinen Kalender ein. Nimm deine Buchhaltung 2026, Kontoauszüge, laufenden Verträge, SVS-Vorschreibungen und Einkommensteuer-Vorauszahlungen. Dann arbeitest du diese Punkte durch: Was brauche ich 2027 privat? Welche betrieblichen Kosten habe ich? Welche Investitionen plane ich? Welchen Umsatz brauche ich? Wie hoch sind meine voraussichtlichen Steuer- und SVS-Belastungen? Wie viel muss ich monatlich zurücklegen? Wie groß ist mein aktueller Liquiditätspuffer?

Danach planst du drei Kontrolltermine: Ende März 2027, Ende Juni 2027, Ende September 2027.

An diesen Terminen vergleichst du Plan und Ist. Nicht um dich dafür zu bestrafen, dass dein Plan nicht exakt aufgegangen ist. Sondern um Entscheidungen zu treffen.

Häufige Fragen

Wann sollte ich mit der Finanzplanung 2027 beginnen?

Idealerweise im vierten Quartal 2026. Dann kennst du bereits einen großen Teil deiner Zahlen aus 2026 und kannst daraus eine realistische Planung für 2027 erstellen. Wichtig ist danach die laufende Kontrolle. Ein Budget, das du im Oktober erstellst und erst zwölf Monate später wieder öffnest, bringt dir wenig.

Wie viel Prozent meines Gewinns sollte ich für Steuer und SVS zurücklegen?

30 Prozent können als erste Orientierung dienen, wenn du bisher überhaupt keine Rücklage bildest. Der tatsächliche Rücklagenbedarf kann aber deutlich davon abweichen. Entscheidend sind unter anderem Gewinnhöhe, Einkommensteuer-Vorauszahlungen, SVS-Vorschreibungen, mögliche Nachbemessungen und deine individuelle steuerliche Situation. Deshalb solltest du langfristig mit deinem persönlichen Rücklagen-Prozentsatz arbeiten.

Welche Steuerstufen gelten 2027 in Österreich?

2027 bleiben Einkommen bis 13.846 Euro im Einkommensteuertarif mit 0 Prozent besteuert. Danach gelten 20 Prozent bis 22.491 Euro, 30 Prozent bis 37.285 Euro, 40 Prozent bis 71.960 Euro, 48 Prozent bis 107.236 Euro, 50 Prozent bis eine Million Euro und darüber 55 Prozent. Wichtig: Der jeweilige Steuersatz gilt nur für den Teil des Einkommens innerhalb der jeweiligen Tarifstufe.

Was passiert 2027 mit dem Arbeitsplatzpauschale?

Das bisherige große und kleine Arbeitsplatzpauschale entfällt für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2026 beginnen. Wenn du es bisher genutzt hast, solltest du es daher nicht mehr in deine Planung 2027 einrechnen.

Wie plane ich meine SVS-Beiträge 2027?

Nutze zunächst deine tatsächliche SVS-Vorschreibung und berücksichtige mögliche spätere Nachbemessungen. Die Beitragssätze für Pensionsversicherung, Krankenversicherung und Selbstständigenvorsorge liegen derzeit bei 18,5 Prozent, 6,8 Prozent und 1,53 Prozent der jeweiligen Beitragsgrundlage. Die endgültige Beitragsgrundlage entspricht allerdings nicht einfach deinem Gewinn multipliziert mit diesen Prozentsätzen.

Was ist der Unterschied zwischen Budget und Liquiditätsplan?

Das Budget zeigt dir, ob dein Unternehmen über das gesamte Jahr wirtschaftlich funktioniert. Der Liquiditätsplan zeigt dir, wann Geld tatsächlich auf dein Konto kommt und wann es wieder hinausgeht. Du brauchst beides. Denn ein Unternehmen kann einen guten Jahresgewinn erzielen und trotzdem zwischendurch zu wenig Geld am Konto haben.

Soll ich meine Einkommensteuer-Vorauszahlungen für 2027 anpassen?

Wenn deine erwartete wirtschaftliche Entwicklung deutlich von der Grundlage deiner Vorauszahlungen abweicht, solltest du sie zumindest überprüfen. Bei einem niedrigeren erwarteten Gewinn kann eine Herabsetzung der Vorauszahlungen sinnvoll sein. Bei einem deutlich höheren Gewinn solltest du deine Steuerrücklage entsprechend erhöhen, damit eine spätere Nachzahlung nicht zum Liquiditätsproblem wird.

Fazit: Deine Finanzplanung 2027 muss nicht kompliziert sein

Du brauchst keinen 30-seitigen Businessplan und keine komplizierte Excel-Datei.

Für den Anfang reichen vier Fragen: Was muss mein Business 2027 erwirtschaften? Welche Kosten kommen auf mich zu? Wie viel muss ich für Finanzamt und SVS zurücklegen? Und wie viel Geld brauche ich selbst zum Leben?

Daraus entstehen dein Budget, deine Steuerprognose und dein Liquiditätsplan.

Und dann kommt der wichtigste Teil: Vergleiche deinen Plan während des Jahres regelmäßig mit der Realität. Ende März. Ende Juni. Ende September.

Dann weißt du nicht erst beim Jahresabschluss, ob dein Business funktioniert.

Du triffst Entscheidungen nicht mehr, weil du hoffst, dass es sich ausgeht, sondern weil du es weißt.

Das könnte dich auch interessieren

→ Steuerstufen 2027 & Arbeitsplatzpauschale: Das ändert sich → Rücklagen bilden: Die 30%-Regel → Liquiditätsplanung: Warum dein Gewinn lügt
Klaus Brunner

Klaus Brunner – Finanzbuddha

Öffentlich bestellter Bilanzbuchhalter (BiBuG), zertifizierter Unternehmensberater (WKO). Über 20 Jahre Berufserfahrung, Geschäftsführer der BT Bilanzbuchhaltungs OG in Marchtrenk, über 1.000 Unternehmen begleitet. Spezialisiert auf Gründer und Selbstständige in Österreich.

Mehr über Klaus Brunner →

Haftungsausschluss Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle steuerliche, rechtliche oder betriebswirtschaftliche Beratung. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt Finanzbuddha / Klaus Brunner keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der dargestellten Inhalte. Steuerliche und rechtliche Regelungen ändern sich regelmäßig – für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt in Österreich.

Du willst deine Finanzplanung 2027 gemeinsam durchgehen?

Kostenloser Mini-Business-Audit, 20 Minuten: Fehler erkennen, Potenziale aufdecken und sinnvolle nächste Schritte setzen.

Jetzt Termin buchen →